Ex-Häftling Max Pollux erzählt seine ungewöhnliche Lebensgeschichte

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Maximilian Pollux, ein Ex-Drogendealer und „Knacki“ besuchte im Oktober unsere Schule, um vor Schülern der S5 von seinen Erfahrungen im Drogenmilieu zu erzählen.

Die Schüler der S5 trudeln langsam in der Bibliothek ein und nehmen Platz. Sie werfen verstohlene Blicke nach vorne, unterhalten sich über den jungen Mann, der da vorne steht, über sein Aussehen, seine Wirkung…  –  Dann räuspert er sich kurz, und schlagartig tritt Stille ein. Alle Augen sind auf ihn gerichtet. Er fängt an zu erzählen.

„Ich war 13 Jahre alt, als ich angefangen habe, für Drogenhändler Kurierfahrten zu übernehmen. Ich wollte etwas mit meinem Leben anfangen, und die Kriminalität schien mir damals sehr aufregend und spannend.“

Max Pollux fuhr lange als Kurier, bis er eines Abends Besuch bekam: „Ich war beim Zähneputzen, als es an der Tür klingelte. Meine Mutter rief nach mir und sagte, es wäre für mich. Ich habe mich gefragt, wer mich um diese Zeit noch sehen wollte?“ Es war die Polizei.

Die Polizisten wollten ihn aufs Revier mitnehmen und alles, was Max‘ Mutter in dem Moment sagen konnte, war: „Entschuldigung, ich habe nicht geputzt.“ „Meine Mutter war so geschockt, dass sie nur Blödsinn redete. Der Schock beeinflusste ihre Gedanken so sehr, dass sie keinen klaren Gedanken fassen konnte.“

Max fuhr mit zur Polizeidienststelle. Da die Polizei aber nicht viel gegen ihn in der Hand hatte, ließ sie ihn wieder laufen. Also machte Max weiter. Nach drei Jahren Kurierfahrten wurde er Verkäufer. Auch das lief eine Weile ganz gut. Aber mit 19 Jahren gab es einen Haftbefehl gegen ihn und er flüchtete ins Ausland.

„Ich hatte wenig Geld, war verschuldet und hatte keine Freunde. Zwei Jahre lang war ich im Ausland, immer in Angst, schließlich wurde ich doch festgenommen.“

Max bekam 13 Jahre Gefängnis. Die ersten fünf Jahre im Gefängnis machte er weiter wie zuvor: Er vertickte auch hinter Gittern Drogen. Eines Tages wurde ihm klar er, dass er so nicht weitermachen wollte: „Ich bemerkte, dass ich dieses Leben wahrscheinlich für immer führen würde, im Gefängnis oder draußen, und entschied mich dagegen.“  Er wurde etwas früher – schon nach zehn Jahren Gefängnis – entlassen, allerdings mit einer Auflage: Falls er wieder gegen die Gesetze verstoßen würde, müsste er zurück und die letzten drei Jahre auch noch absitzen.

„Ich fand keine Arbeit, weil niemand einen Ex-Häftling einstellen wollte. Also fing ich an zu schreiben und setzte meine Erfahrungen in meine Bücher. Mit der Zeit wurde ich eingeladen, in Schulen vorzulesen und meine Geschichte zu erzählen. Das hat mir neue Energie gegeben. Heute wünsche ich mir, dass sich die Schüler, die ich besuche, meine Geschichte zu Herzen nehmen, um später nicht in einer Zelle zu sitzen und zu sagen, sie hätten nicht gewusst, wie gefährlich der Drogenhandel ist.“

 

Isabel V., S5

 

 

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  1. lehmannesf sagt:

    Diesen Artikel fand ich spannend und toll geschrieben – schön!

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